Der Begriff Seele im Psychodrama
Psychodrama bedeutet Seele in Handlung". Seele ist ein religiöser Begriff, der in allen Religionen vorkommt. Die Seele verbindet den Menschen einerseits mit anderen Menschen, andererseits mit Gott oder Göttern. Die Seele ist es, die dem Leben einen Sinn, eine Tiefe und einen Inhalt gibt. Für die Seele ist die Zeit nicht beschränkt, wie dies für den Körper und das Ich gilt. Es wird davon ausgegangen, daß die Seele nach dem Tode eines Menschen weiterzieht.
Unser Ich und unser Bewußtsein tendieren dazu, Sachen und Dinge rationell einzuteilen, damit wir unser Leben und unser Verhältnis zu anderen Menschen mehr oder weniger effektiv organisieren können. Das Ich mag es nicht, wenn Unklarheiten und Zweifel vorliegen und versucht verstandesmäßig, die sich ergebenden Probleme zu lösen. Überkommen das Ich Zweifel, ist es oft die Seele, die sich zu erkennen gibt. Viele haben versucht, die Logik der Seele zu verstehen, aber diese ist und bleibt geheim. Viele versuchen, die Problematik der Seele durch z.B. die Traumanalyse zu verstehen, aber auch hier ist es so, daß man die Seele zu den Bedingungen des Ichs versteht. Die Seele sucht sich das Sinnvolle, das schön wird. Leiden, Schmerz und Resignation sind Prozesse, die zur Katharsis führen, d.h. zur Reinigung der Seele. In den meisten Religionen ist die Reinigung der Seele ein zentrales Thema.
Die christliche Religion ist monotheistisch und dies hat auch Einfluß auf unsere Betrachtung der Seele. Der Glaube, daß die Seele eine Art innere Stimme ist, die sich zu erkennen gibt und eine deutliche Sprache spricht, stimmt nicht mit den häufigsten Vorstellungen über die Seelentätigkeit überein. Die Ägypter sprachen von Ba und der KaSeele. The Ba" is always translated Soul" ... The Pyramid Texts teach us that he represented a psychic being divine innature, connected with the appearence of the individual and incarnated form of a god. The reader of The Book of the Dead already knows that after death, all Egyptians who passes the test became Osiris. The Ba of a human being also has something to do with the individual, manifested form of a particular human being and therefore in contrast to the Ka it could settle down in a man´s tomb. In other worlds, the Ka is a doubble, the vitality of a Person; the Ba is the Kernel, the divine spark of a Person." (Encounters with the Soul: Active Imagination, Barbara Hannah)
Die Griechen schrieben ebenfalls der Seele eine Dualität zu und unterschieden zwischen der freien Seele, welche die individuelle Persönlichkeit repräsentierte, und der Körperseele, die dem Leben Sinn und Bewußtsein schenkt. Die freie Seele wird aktiviert, wenn der Körper passiv ist, in Schlafzuständen und auch nach dem Tode. Zustände wie Verwirrtheit, Unterwerfung, Erniedrigung, Niederlagen und Scham, Zustände, die für das Ich sinnlos und widersprüchlich scheinen, führen uns der Seele oder den Seelen näher. Diese Uneindeutigkeiten, dieses Chaos, ist etwas, was über das Verständnis des Ich hinausgeht. Für die meisten Menschen gibt sich die Seele durch Infragestellen und Reflexion zu erkennen. Die Seele hat keine konkreten Antworten, sondern ist die ganze Zeit auf der Suche nach dem Sinn. Der Mensch ist in bezug auf seine Aktionen sowohl Subjekt als auch Objekt.
Die Gefahr einer Psychotherapie kann darin liegen, daß in allzu großem Umfang dem Ich Raum gegeben wird, und die Seele oder die Seelen nicht zu Wort kommen. Dies ist z.B. sehr oft im Zusammenhang mit Selbstmorden der Fall. Für das Ich ist der Tod definitiv eine große Frage, für die Seele jedoch ist der Tod eine Transformation, was dazu führt, daß es für einen Psychotherapeuten sehr schwer sein kann, Menschen mit Selbstmordwünschen zu verstehen. Die Seele bedient sich nicht des gleichen Zollstockes wie das Ich. Hier ist es wichtig, die Begriffe Egodrama und Psychodrama einzuführen.
Das Egodrama setzt sich mit bewußten Problemen, wie Ehe, Kindheit, verdrängten Gefühlen, auseinander und ist ein wichtiger Teil der Psychodramaausbildung, während das Psychodrama, die Seele in Handlung, eine völlig andere Dimension hat. Das Psychodrama übernimmt selbst die Regie und der Regisseur wird eher zu einem Medium. Sowohl der Protagonist als auch die Gruppe werden nun auf eine fesselnde Reise mitgenommen, in der jede Szene zu einem Überraschungsmoment und einem spontanen Erlebnis wird. Es wird in der Ausbildung zu einem zentralen Faktor, diesen Unterschied zwischen Egodrama und Psychodrama zu erfassen. Beide Formen liegen nahe beieinander, jedoch ist es von Bedeutung, den Unterschied eindeutig zu erfahren.
© Leif Dag Blomkvist
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