Ceci n’est pas une pipe; Traumpsychodrama

Die Psychodrama-Bühne und das Unbewußte haben ähnliche Strukturen und Charakteristika, da sie beide außerhalb der Zeit stehen: auf der Psychodrama-Bühne steht die Vergangenheit nicht im Gegensatz zur Zukunft; auf der Bühne treffen sie sich und vereinigen sie sich. So vereinigen sich auch Phantasie und Wirklichkeit in Morenos Konzept der Surplus-Realität. Diese Welt, in der eine Gegensätzlichkeit nicht existiert, finden wir auch in der Kunst René Margrittes wieder. Es ist eine surrealistische Welt ähnlich der Welt unserer Träume, welche wir verstandesmäßig niemals vollständig erfassen werden; und doch ist diese zeitlose Welt, dieses Königreich der Dunkelheit und der Unvernunft, das für uns so lebensnotwendig ist.

In Träumen wird das für das Ego nicht greifbar erfahrbar gemacht. Für die Surrealisten ist der Traum Realität. Diese Ansicht steht im Gegensatz zu der modernen analytischen Tradition, die davon ausgeht, daß Träume und Symbole eine Art latenten Inhalt haben, der durch bestimmte Analogien verständlich gemacht wird.

Das impliziert, daß die Träume etwas anderes repräsentieren, als das augenblicklich sichtbare. Die surrealistische Bewegung, die durch René Margritte einen Repräsentanten findet, zweifelt diesen Umgang mit Symbolen jedoch deutlich an. Sie geht davon aus, daß das Symbol eine bestimmte Energie hat, die für den Menschen in gewissem Sinne immer unbekannt bleiben wird, da es sich mit logischem Denken und Rationalisierungen nicht vollständig erfahren läßt.

Margritte entwickelte in seiner Kunst die „Art of the Non-Related Object". Durch diese Methode sprechen die einzelnen Symbole nur für sich selber, sie sind keinem gängigen kognitiven System eindeutig zuzuordnen. Eine surrealistische Erfahrung wird möglich. Auf diese Weise haben wir die Möglichkeit, dem Symbol auf eine neue und einzigartige Art zu begegnen. Im Gegensatz zu gängigen Psychotherapien bleiben wir nicht dabei stehen, uns ein Bild von dem Symbol zu machen. So wie die Surrealisten versucht auch Moreno im Psychodrama–dem Theater der Seele–uns in Beziehung zu setzen mit dem Unbekannten.

Durch den Prozeß der Traumevolution, in dem das spontane Spiel die Entwicklung des Traumpsychodramas bestimmt, wird das „Ich" darin trainiert, dem Absurden, dem Irrationalen begegnen zu können, um an Toleranz, Flexibilität und Spontaneität zu gewinnen.

Die surrealistische Erfahrung ist ein Übergang im Sinne einer Reise in eine unbekannte Welt.Wir werden eingeführt in eine mystische Dimension mit einer anderen Art von Wissen und Weisheit.

© Leif Dag Blomkvist

Psychodrama.org Moreno Institut moreno-institut@psychodrama.org